Trotz der steigenden Corona-Zahlen weltweit und der daraus resultierenden besorgniserregenden wirtschaftlichen Entwicklung zeigt eine neue Hochrechnung der Wirtschaftsauskunftei der Creditreform, dass bundesweit die Unternehmensinsolvenzen auf einen neuen Niedrigstand seit 1999 gesunken sind.

Das Jahr 2020 ist in jeder Hinsicht ein denkwürdiges Jahr – sowohl gesellschaftlich als auch wirtschaftlich birgt es für jeden Einzelnen seine jeweilige Herausforderung. Auch für die Bundesrepublik Deutschland wird dieses Jahr in die Geschichtsbücher eingehen.

Laut den veröffentlichten Zahlen verzeichnete die deutsche Wirtschaft durch die Corona-Krise im ersten Quartal dieses Jahrs einen Rückgang um 1,9% in Bezug auf das vorherige Quartal und einen noch drastischeren Sturz im zweiten Quartal um 9,8%. Durch die politischen Maßnahmen, wie die verschiedenen Hilfspakete, konnte das dritte Quartal erfreulicherweise einen Anstieg um 8,2% vermelden. Die Bemühungen der Politik insbesondere mit Überbrückungskrediten, Kurzarbeitergeld und die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht, zeigen Wirkung – so gehen in dieser ökonomisch schwierigen Phase die Insolvenzen deutlich zurück, anstelle, dass sie steigen. Nach Auswertung einer empirischen Forschung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform wird dieses deutlich. So sinkt einer Hochrechnung zu Folge die Zahl der Insolvenzen um 13,4% (von 18.800 im Jahr 2019 auf 16.300 in diesem Jahr).

Creditreform bewertete die bisherigen Maßnahmen der Bundesregierung als richtungsweisend für diese Entwicklung und warnt vor den Auswirkungen.

Der bekannte und angesehene Insolvenzverwalter Lucas Flöther (bekannt u.a. durch das Mitwirken bei der Air Berlin-Insolvenz) befürchtet, dass Deutschland 2021 auf eine große „Pleitewelle“ zusteuere. Die Regierung habe hier in die „normalen“ Verfahrensweisen der Marktwirtschaft eingegriffen – die Folgen können verheerend sein. So kritisiert er die weiterhin anhaltende Aussetzung der Insolvenzantragspflicht – solche Schritte seien für den vertrauenswürdigen Fortbestand eines Marktes von entscheidender Bedeutung. Insbesondere unter Geschäftsleuten ist Offenheit und Vertrauen eine wichtige Basis ihres wirtschaftlichen Miteinanders. So vertrauen beispielsweise beide Vertragsparteien auf die Liquidität des jeweiligen Anderen. Durch das Corona bedingte Aussetzten der Insolvenzantragspflicht kann mitunter nur ein Missverständnis drohen – im schlimmsten Fall jedoch ein Vertrauensmissbrauch. Aufgrund der „legalen“ Nichteinhaltung der Antragspflicht könne sich zudem, laut Flöther, die Geschäftsführung der betroffenen möglichen insolventen Unternehmen schuldig machen – der Vorwurf könnte dann Insolvenzverschleppung lauten. Er weist darauf hin, dass vielen Unternehmen anscheinend nicht bewusst sei, dass seit Oktober wieder eine Insolvenzantragspflicht herrscht, sobald eine Zahlungsunfähigkeit besteht. Das kann für einige Unternehmensinhaber und -beteiligte im Worst Case sogar eine private Insolvenz bedeuten, falls sie durch die Unternehmensform mit ihrem persönlichen Vermögen haftbar sind.

Lucas Flöther spielt das Szenario sogar noch weiter in seinem Zukunftsmodell: viele ohnehin schon unsichere Unternehmen mit suboptimalen Geschäftsmodellen konnten sich in diesem Jahr noch durch die Hilfsprogramme der Bundesregierung retten. Sie wären im Normalfall bei einer solchen Krise längst vom Markt verschwunden oder überarbeitet worden. Durch ihren Fortbestand sorgen sie für eine ökonomische Wettbewerbsverzerrung und gefährden gut strukturierte und liquide Unternehmen. So wird dann auch eine Insolvenz vor größeren Betrieben keinen Halt machen. Diese Entwicklung wird auch anhand der von Creditreform erhobenen Zahlen deutlich – ein Anstieg um fast 3% im Vergleich zum Vorjahr. Viele der betroffenen großen Unternehmen hatten jedoch bereits vor der Pandemie wirtschaftliche Probleme, die dieses besondere Jahr jedoch nicht mehr abgefangen werden konnten.

Jede Krise birgt oftmals aber auch eine Chance. Genau so sehen viele Unternehmen auch ihr „Scheitern“ – durch eine solide Insolvenz oder ein Schutzschirmverfahren ihre Geschäfte wieder in sichere Gewässer zu geleiten. Galeria Karstadt Kaufhof GmbH ist hier ein namhaftes Beispiel. Die Warenhauskette befindet sich nach der Fusionierung 2019 und der drohenden Pleite anfangs noch in einem Schutzschirmverfahren und nun in einer eigenverwalteten Insolvenz. Eine neue Orientierung bzw. Optimierung der Geschäftsprozesse soll dafür sorgen, dass Arbeitsplätze und Warenhäuser gesichert werden können. Doch diesen mutigen Schritt gehen viele Unternehmen zu spät oder gar nicht – noch nicht. Denn, dass viele Unternehmen genau vor dieser Entscheidung stehen, steht außer Frage. Durch die Milliardenhilfe als Unterstützung der Unternehmen, scheuen sich viele Unternehmen vor dem Entschluss. Sie sehen durch das schnelle, „billige“ Geld ihr Unternehmen vermeintlich gerettet. Sie setzen Scheuklappen auf, verkennen den Ernst der Lage und oftmals trauen sie sich nicht den Blick in die Zukunft zu richten. Daher befürchtet Flöther einen erheblichen Anstieg der Insolvenzen für das kommende Jahr. Diese Verdrängung der Tatsachen kann nicht mehr lange gut gehen. Wie lange es jedoch dauert, bis der große Zusammenbruch eintritt, ist schwer zu prognostizieren. Eins ist sich der renommierte Insolvenzverwalter jedoch sicher: die Insolvenzwelle kann jedes Unternehmen treffen – kleine wie auch große Firmen. Beispiele hierfür sind Großkonzerne wie die TUI oder die Lufthansa, die ihr Geschäft nur dank der Milliardenhilfen des Staates aufrechterhalten konnten. Insbesondere die Tourismusbranche inklusive der Hotellerie und Gaststätten sind hier am stärksten von betroffen. Wenn Unternehmen wie der TUI trotz der finanziellen Unterstützung spätestens im Frühjahr 2021 die Liquidität fehlt ihr Geschäft aufrecht zu erhalten, drohen ungeahnte schwarze Zeiten stellvertretend für diese Branchen. Die Zurückzahlung der Kredite ist fraglich – es müsste hierfür ein neues Darlehen aufgenommen werden; doch von wem?

Das Jahr 2021 stellt uns abschließend nicht nur vor die Frage nach privater Sicherheit oder Gesundheit, sondern auch wie sicher die Unternehmenswelt sich weiter in der Krise verhält – gibt es Mutige, die voranschreiten, oder eher Passive, die abwarten, was auf sie zukommt?

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